Auslandspraktikum in Spanien

¡Bienvenidos a Valencia!

Spanien. Ein Tourist würde sagen; Sonne, Schinken und Stiere. Was sagen wir, die zwölf Schüler die für einen Monat einen Austausch nach Valencia und Barcelona gemacht haben? Ich denke etwas anderes. Der Monat war voller Überraschungen, besonderen Erlebnissen und nicht bewahrheiteten Vorurteilen: Nicht Stier und Schinken haben unsere Reise ausgemacht. Was uns elektrisiert hat, waren die langen warmen Abende, das blaue Meer, der helle Sand, oder das herrlich frische Obst.

Begonnen hat unsere Zeit mit einem gemeinsamen, viertägigen Aufenthalt in einem Reihenhaus in der Mitte von Valencia. Aufgeteilt auf zwei Apartments bekamen wir einen Spanisch-Intensivkurs und wurden zum Einkaufen geschickt. Mit unserem wackeligen Spanisch ging das recht gut - manche Verwechslung gab es aber natürlich auch. Erst jetzt wissen wir alle, dass „Sandía“ Wassermelone heißt und nicht Sardinen. Natalia und Jürgen, unsere Begleiter, zeigten uns Valencia. Den wunderschönen Dom mit den drei Eingängen aus drei verschiedenen Bauepochen: Es gibt ein romanisches, ein gotisches und eine barockes Portal.

Wir erkundeten die Stadt in den verschiedensten Ecken. Tagsüber mit einer Stadtralley, in den lauen Nächten zogen wir alleine durch die Straßen. Neben vielen anderen Sehenswürdigkeiten wie das Aquarium und das Meer, das gut erreichbar ist, ist Valencia übersät mit tollen Graffitis- die fast schon wirken, als wäre die Stadt eine Galerie. Nachts ist es dort laut und lebendig, die Luft ist ganz warm und überall sind glitzernde Lichter, Musik und gutgelaunte junge Leute.

Mercado central

In den vier Tagen unseres Beisammenseins erkundeten wir mit dem Fahrrad die Stadt und statteten sogar noch dem Meer einen Besuch ab. Außerdem besuchten wir die verschiedenen Praktikumsstellen. Am letzten Abend unseres WG-Lebens spendierte uns Natalia noch ein Aqua de Valencia, ein typisches Getränk der Region. Das Getränk hat allen geschmeckt und das Restaurant, in dem wir saßen, war eine kühne Mischung aus Gothic und Barock. Es gab schwere rote Vorhänge und Stühle mit Löwenfüßen, hohe unverputzte Wände und Kronleuchter. Am nächsten Tag verabschiedeten wir vier Schüler nach Barcelona und trafen zum ersten Mal unsere Gastfamilien. Wir trafen uns in einem extra für diese Zwecke hergerichteten Raum der Schule unserer Austauschschüler. Begrüßt wurden wir herzlich von unseren Austauschschülern, vielen aufgeregten Eltern und ein paar typischen Spanischen Snacks.

Von nun an sah ich die anderen nur noch selten. Daher gibt der folgende Teil meines Berichts nur meine persönlichen Erlebnisse wieder.

Ich selbst begann zu merken, dass die Spanier den bekannten Klischees nicht gerecht werden. Sie futtern nicht den ganzen Tag Paella und machen selten eine Siesta. Außerdem scheint in Spanien nicht durchgehend die Sonne, es regnet sogar sehr oft. Es gibt auch viele Paralelen zu unserem deutschen Schüler-Lebensstil. Die Mädchen tragen das gleiche Make-up, gehen in dieselben Läden und tragen die gleichen Schuhe wie deutsche Schüler. Es gibt schon auch große Unterschiede: Für die spanischen Jugendlichen ist die Gruppe sehr viel wichtiger als für uns. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn sie in großen Gruppen von Mitschülern und Freunden unterwegs sind. Nach meiner Erfahrung legen die Eltern nicht so viel Wert auf Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit wie bei uns. Die spanischen Eltern sind zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Taxidiensten bereit. Sie trugen unsere Austauschüler (und auch uns) auf Händen, nach deutschen Maßstäben würde ich so weit gehen und sagen, dass die Jugendlichen von ihren Eltern ziemlich verwöhnt werden. Das führte insbesondere später in Deutschland natürlich manchmal zu Konflikten, denn manche Austauschschüler hegen diese Erwartungshaltung auch ihren deutschen Gasteltern gegenüber.

El Miguelete

Zur Musik: Als wir dort waren, waren alle verrückt nach Enrique Iglesias und Pitch Perfect.

Das Essen war ganz anders als erwartet. Schon die Abendessenszeit ist für uns außergewöhnlich: Zu Abend gegessen wird in Spanien immer sehr spät, gegen 22 Uhr oder 23 Uhr. . Und was? Viel Fisch oder andere Meeresfrüchte, viel Reis und manchmal auch Seltsames wie Shrimps mit Mayonnaise und Ketchup. Am Wochenende wird gerne gegrillt. Gefrühstückt werden gerne Donuts oder Schoko mit Kecks-Geschmack. Mein Eindruck war, dass die leckeren Früchte den Spaniern einfach zu alltäglich sind und daher nicht besonders geschätzt werden.

Und in Barcelona? Die Schüler dort wohnten viel weiter auf dem Land und gar nicht mehr wirklich IN Barcelona. In unsere Praktikumszeit besuchten wir sehr verschieden Stellen. Wir hatten z.B. Stellen bei einem Verleger oder in der Austausch-Schule. Ich selbst war in einer Tagesklinik für Parkinson - Patienten. Dort habe ich viel über diese Krankheit, ihre Behandlung sowie den Tagesablauf in einer Tagesklinik gelernt. Das war schon sehr eindrucksvoll.

Unsere Reise ist wirklich facettenreich gewesen und jeder einzelne von uns hat andere Erfahrung mit Spanien und dem Austausch gemacht. Ich glaube, dass wir am Ende eine wirklich aufregende Zeit in Spanien hinter uns haben.

Lea Manger