Vom Montikind zur Montipraktikantin

In meinem letzten Kindergartenjahr kam ich an das Montessorizentrum Nürnberg. An die Zeit erinnere ich mich kaum noch, dafür aber an meiner Grundschulzeit in der Apfelbaumklasse. Am besten sind mir die tollen Schullandheime im Gedächtnis geblieben. Mit der Klasse wegzufahren, mit den Freunden ins Zimmer zu kommen und Briefe von den Eltern zu bekommen, freute mich immer sehr. Und immer dieses Tagebuch schreiben – damals war es wohl eher lästig, aber ohne die Schullandheime hätte ich das Schreiben nie angefangen und bis heute fortgesetzt.
Dinge wie die gemischten Klassen, keine Noten und die Freiarbeit waren für mich damals total selbstverständlich.
In der 4. Klasse habe ich mich schließlich entschieden auf der guten alten „Monti“ zu bleiben. Ab dann gab es jedes Jahr die Gelegenheit mich in einem Praktikum auszuprobieren: vom Blumenladen, über eine Beratungsstelle für Selbsthilfegruppen bis hin zum Secondhandladen VINTY’S.

In der 9. Klasse habe ich schließlich meine Große Arbeit vor einem gefühlt „riesigen“ Publikum gehalten und etwas später meinen Quali geschrieben. In meinem letzten Jahr am Montessorizentrum hab ich schließlich mit der Mittleren Reife meine Zeit dort abgeschlossen. Erst heute ist mir klar wie viel ich bis dahin schon geleistet hatte und vor allem was ich für unterschiedliche Erfahrungen durch die Arbeit in den verschiedenen Einrichtungen, die Prüfungssituationen und das Schreiben einer Facharbeit bekommen habe.
Inzwischen besuche ich den sozialen Zweig der Montessori Fachoberschule (MOS). Durch die Nähe und meinen Schulweg auf der Monti bekomme ich auch noch etwas von dem Leben im Montessorizentrum mit.

Im Rahmen der Schule absolvieren wir in verschiedenen sozialen Bereichen Praktika. Da ich die Sicht der Fachkräfte nie kennen gelernt habe und mich ich mich für die Arbeit mit der Montessori Pädagogik interessiere, bin ich schließlich für zwei Praktikablöcke an die „Monti“. Erst war ich in der Kinderkrippe, dann später noch in der Grundschule und im Hort.
Auch wenn ich als Kind nie selbst in der Montikrippe war, habe ich einen tollen Eindruck bekommen. Die Selbstständigkeit die Kinder im Alter von bereits eins bis drei Jahren zeigen, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird, hat mich fasziniert. Hier ist mit Maria Montessoris Satz „Hilf mir es selbst zu tun“ vorgelebt worden und täglich klarer geworden. Zum Beispiel, dass auch diese jungen Kinder mit einer Hilfestellung den Tisch zum Frühstück decken können.
Für die Zeit meines Praktikums in der Grundschule bin ich in „meine“ alte Klasse zurückgekehrt. Es war total schön die Arbeit und Atmosphäre mitzuerleben. Vieles hat sich nicht verändert und durch die Stellung als Praktikantin hatte ich die Möglichkeit das alles mit anderen Augen mitzuerleben und zu beobachten. Dinge, die ich eben früher als ganz normal angesehen habe, sind mir jetzt mit ihrer Bedeutung und ihrem Sinn klar geworden. Während meines Praktikums habe ich an dem Morgenkreis mit teilgenommen und fand vor allem das gemeinsame Singe toll. Jetzt verstehe ich erst, dass dieser ein Ritual ist, in dem die Kinder zusammen finden und sich für den Tag sammeln können. Als Kind schien mit der Morgenkreis wohl manchmal eher langweilig.
Die Arbeit mit den Materialien, die mich im Laufe der Jahre immer weniger angesprochen hat, hat mich jetzt wirklich begeistert. Wie viel einfacher die Rechenstäbe das Rechnen machen können oder wie viel mehr Spaß die Arbeit im Deutschen mit Brettspielen macht.
Und all das geschieht im Miteinander – alle zusammen: die Kinder und Erwachsenen gehen aufeinander ein.

Wenn ich an meine Zeit im Hort zurück denke, fallen mir sofort das Theaterspielen und das Singen im Chor ein. Und natürlich die gemeinsame Zeit mit Freunden. Die Arbeit im Hort hat mir super viel Spaß gemacht und gezeigt wie offen und interessiert Kinder an neuen Dingen sind. Als ich mit den Kindern gebacken habe und ein Bastelangebot durchgeführt habe, haben sich immer Kindern gefunden. Die verschiedenen Angebote im Hort, die sie frei wählen können, bieten den Kindern so viele Möglichkeiten ihre Interessen zu entdecken und Erfahrungen zu machen. Das alles können sie mit gleichaltrigen Kindern machen. Die Stachelbeergruppe gab es zu meiner Zeit noch nicht, aber die Idee alle 4. Klasskinder zusammen in eine Gruppe zu bringen, finde ich toll, da die Kinder einfach noch ein Stückchen reifer sind und teils andere Interessen in ihrer Freizeit haben als die Jüngeren.

Die Praktika haben Erinnerungen an meine eigene Montizeit hervorgerufen und mich mit neuem Blick auf die Pädagogik schauen lassen. Durch die Einblicke habe ich die Montessori Pädagogik – besonders die Haltung zu den Kindern als selbstständige Persönlichkeiten - neu entdeckt und schätzen gelernt.

Rebecca Kofler, 11S