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Die MOS Cafeteria

MOS Franken Cafeteria
Schule besteht aus Begegnungen

Ein leerer Bauch studiert nicht gern……so sagt man und dass eine FOS unbedingt eine Cafeteria braucht, darüber waren sich alle im Team einig. Aber wie das bei uns funktionieren sollte, das war dann doch die große Frage. Wer bloß sollte diese Aufgabe stemmen? Schüler*innen? Lehrer*innen? Eltern? Ein Lieferdienst?

Fabienne Lavie, unsere ehemalige Praktikantin (Soziale Arbeit) hat 2014 das Projekt „MOS-Cafeteria“ übernommen und nach vielen Vorüberlegungen ein schülerfreundliches und umsetzbares Angebot entwickelt.

Der Verkauf findet täglich in der Pause in der Aula statt. Die Schüler haben dort die Möglichkeit frisch belegte Brötchen, Brezeln, Obst, Joghurt und Süßigkeiten zu einem günstigen Preis zu erwerben.

Nun wird jede Woche einkaufen gegangen, Brötchen belegt, das ganze appetitlich angerichtet und dann im fröhlichen Gespräch mit den Schüler*innen Kontakte geknüpft. Wir haben es wirklich geschafft, durch eine gemütliche Pausenatmosphäre der Konkurrenz -also den nahegelegenen Geschäften – die Stirn zu bieten.

Es war also richtig, so lange an diesem Projekt festzuhalten, auch wenn dafür zunächst überhaupt keine Ressourcen zur Verfügung standen. Zunächst einmal, so sagten wir uns, geht es in dem Projekt „MOS-Cafeteria“ darum, den Schüler*innen eine günstige und gesunde Möglichkeit zu bieten innerhalb der Schule ihr Pausenbrot zu kaufen, obwohl mehrere Bäckereien und Imbissbuden, die sich im naheliegenden „Imbissdreieck“ befinden, ein vielfältiges und attraktives Angebot bereithalten und die kulinarischen Wünsche unserer Schüler*innen – aus deren Sicht – bestens befriedigen. Nicht selten darf man sich staunend fragen, welche schier unerschöpflichen Geldquellen die fast erwachsenen Schüler*innen anzuzapfen in der Lage sind, um dort einkaufen zu gehen!

Aber unsere Cafeteria sollte mehr bewirken: Das Bewusstsein der jugendlichen Schüler*innen für gesunde Ernährung nicht nur wecken, sondern verstärken und stabilisieren. Denn laut BzGA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) wird das Ernährungsverhalten im Jugendalter neu reflektiert und gefestigt. Unbenommen ist, dass Jugendliche viele prägende Vorerfahrungen aus dem familiären Umfeld mitbringen.

Regelmäßige Mahlzeiten, frisch gekochtes Essen und ernährungs- und umweltbewusstes Verhalten sind unseren Jugendlichen, dank ihrer Familien, also zumeist vertraut. Aber beginnend mit der Pubertät werden Rituale und Traditionen aus Prinzip hinterfragt und damit erscheint ihnen „das von Mami geschmierte Pausenbrot“ als uncool. Einhergehend mit wachsender Selbstständigkeit, eigenem Taschengeld und Neugierde beginnt also die Suche nach und Orientierung an Alternativen. Es reizt Teenager, Lebensstile anderer Jugendlicher oder Erwachsener auszuprobieren und damit eine eigene jugendliche Identität, die sich unter Umständen signifikant von der eigentlichen sozialen Herkunft unterscheidet, auszuprobieren.

Daher sind altersgerechte Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen passend und wichtig. Das Vermitteln von Wissen über Ernährung und die Einübung von eigenverantwortlichem „sich selbst versorgen“ ist entwicklungspsychologisch betrachtet also sinnvoll und kann durch die Schule gefördert werden.

Durch eine Cafeteria können nicht nur praktische Erfahrungen im verantwortlichen Umgang mit Essen gesammelt, sondern vor allem auch Einsichten gewonnen werden: gesunde Ernährung braucht Geduld (unser Essen kommt nicht aus dem Automaten!), Zeit (Einkauf und Zubereitung erledigt sich nicht von selbst!) und kostet Geld (nachhaltige Produkte sind keine Massenprodukte!).

Uns ist es also aus vielen Gründen sehr wichtig das Thema Nachhaltigkeit und Ernährung nicht nur im Unterricht zu diskutieren, sondern auch im Schulalltag erfahrbar zu machen.
Die Cafeteria bietet dafür Gelegenheit.

Eine andere Gelegenheit sind – und das sei hier nur nebenbei bemerkt – unsere traditionellen Kennenlerntage der 11. Klassen zu Beginn des Schuljahres. Uns steht eine Küche für Selbstversorgung zur Verfügung, und das gemeinsame Kochen macht, nach anfänglicher Zurückhaltung, den allermeisten Schüler*innen stets riesigen Spaß. Kochen und Essen ist eine grundlegende Form der Kommunikation nach dem Motto „sage mir was und wie du kochst und isst – und ich weiß schon mal was von Dir…“

Interessant zu beobachten ist, dass einige der Schüler*innen schon sehr kritisch und überlegt gegenüber Lebensmittelauswahl und Nahrungszubereitung handeln. Die Gruppe der Vegetarier*innen und Veganer*innen wächst beständig und wird neugierig beobachtet. Alternativen, wie z.B. die Herstellung von Seitan, einem vegetarischen Fleischersatz aus Weizeneiweiß, werden plötzlich interessant und gemeinsam ausprobiert. Und der dabei entstandene vegetarische Döner spiegelt das, was Jugendlichen taugt: offen für Neues sein und Bewährtes nicht aufgeben müssen.

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